Heft 61: Was ist „links“ heute?

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35. Jahrgang, 2015, 148 Seiten, broschiert

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Am 10. Oktober 2015 veranstaltete der Widerspruch eine Tagung zum Thema „Was ist links heute?“ Anlass der Tagung war die zunehmende Verunsicherung darüber, ob dieser Begriff der politischen Theorie gegenwärtig überhaupt noch aussagekräftig ist. Er scheint inzwischen so vage und vieldeutig geworden zu sein, dass nicht nur recht Beliebiges darunter verstanden werden kann, sondern links und rechts im öffentlichen Diskurs oftmals ineinander verschwimmen. Kapitalismuskritik lässt sich heute offenbar nicht mehr als Privileg der Linken ansehen. Die Tagung sollte der Verständigung darüber dienen, was unter den gegenwärtigen Bedingungen unter linker Politik zu verstehen ist.

Den Beginn machen Fragen und Thesen, die die Redaktion zur Begründung und als Problemaufriss der Tagung formuliert hat. Die anschließenden Beiträge stellen die bearbeiteten Tagungsvorträge dar.

Einleitend benennt Max Brym in einem historischen Überblick die wesentlichen Herausforderungen der gegenwärtigen Situation und formuliert Prinzipien sowie Methoden, die f r linke Politik unhintergehbar seien.

Anschließend arbeitet Frieder Otto Wolf das Neue von linker Politik heraus. Zwar sieht er nach wie vor das Wesentliche darin, bestehende Herrschaftsverhältnisse zu überwinden. Statt diese jedoch  wie in der traditionellen Linken  im Bereich der politischen Ökonomie zu verorten, müsse sie eine Vielzahl von Herrschaftsmechanismen von der Familie bis zu globalen internationalen und interkulturellen Strukturen einbeziehen. Linke Politik müsse daher heute in der Lage sein, die unterschiedlichen emanzipatorischen Kämpfe organisatorisch zu bündeln.

Norbert Trenkle erkennt in der gegenwärtigen Situation eine Dominanz des fiktiven Kapitals über das Realkapital. Statt jedoch, wie von vielen Linken gefordert, das industrielle gegenüber dem Finanzkapital erneut zu stärken, argumentiert er für die Überwindung der Warenproduktion und für die Förderung selbstorganisierter Strukturen jenseits des Marktes.

Der Beitrag von Karl Reitter konzentriert Linkssein auf Formkritik. Um die Inhalte wie Arbeit, Staat und Recht zu befreien, bedürfe es zuerst der Analyse und immanenten Kritik der spezifischen Herrschaftsformen, die sie in kapitalistischen Gesellschaften angenommen haben. Im Zentrum linker Politik müsse die Befreiung der Arbeit aus der Form des Lohnsystems stehen.

In Ergänzung der Tagungsbeiträge erläutert Horst Müller im Gespräch seine These, dass wir uns in einer Situation des Übergangs befinden. Der soziale Raum sei nicht allein durch destruktive Kräfte, sondern zugleich auch durch alternative Praxisperspektiven geprägt, die es zu erkennen und weiterzuentwickeln gelte.

Den Beiträgen schließen sich Rezensionen von aktuellen Büchern zum Schwerpunktthema des Hefts an.

Das Sonderthema behandelt Louis Althussers Ideologietheorie. Magdalena Allmannsberger stellt die staatstheoretischen Überlegungen Althussers zu den Ideologischen Staatsapparaten sowie sein Modell der spezifischen, subjektkonstituierenden Funktionsweise der Ideologie vor. Besprechungen von Neuerscheinungen beschließen den Band.

Unser früheres Redaktionsmitglied, der Münchner Philosoph Thomas Wimmer, ist am 21.10. 2015 nach langer schwerer Krankheit im Alter von 58 Jahren gestorben. Thomas gehörte der Redaktion von 1985 bis 1990 an. Auch nach seinem Ausscheiden blieb er dem Widerspruch verbunden. Als Autor verfasste er diverse Beiträge bis 2010. Die Redaktion wird ihn als geschätzten Kollegen in Erinnerung behalten.

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