Heft 2: Freiheit der Wissenschaft

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1. Jahrgang, 1981, 80 Seiten, broschiert

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Zum Thema

Die Beiträge dieses Heftes sind um das Thema „“Freiheit der Wissenschaft““ gruppiert. Daß die Auseinandersetzungen um die Freiheit der Wissenschaften nicht erst seit heute die Gemüter sowohl mancher Politiker als auch vieler Wissenschaftler bewegt, kommt auch u.a. in dem Paradoxon zum Ausdruck, daß sich hierzulande ein Bund von Wissenschaftlern mit politischen Interessen zusammengeschlossen hat, dessen Ziel es ist, die Wissenschaften von Politik frei zu halten.

Elmar Treptow geht von drei systematischen Freiheitsauffassungen in Praxis und Theorie aus und will darlegen, wie die dialektische Freiheitskonzeption in der Wissenschaft eine positiv – negative Stellung zu den praktischen und theoretischen Voraussetzungen beinhaltet. Die Problematik der Wertfreiheit von Wissenschaften war auch das Thema des sog. „“Positivismusstreits in der deutschen Soziologie““. Ausgehend von der Feststellung, daß die Kontroverse um die Wertfreiheit bis heute einer befriedigenden Lösung harrt, stellt Bernard Leon nicht nur einige Entwicklungstendenzen des bis heute schwelenden Konflikts dar, sondern er nennt auch Gründe dafür, warum dieser Streit von keiner Seite zu gewinnen war.

Der Zusammenhang von Wissenschaft und gesellschaftlicher Entwicklung steht, im Zentrum des Artikels von Alexander von Pechmann. Ausgehend von historischen Kontroversen, kommt er zu dem Resultat, daß die „Freiheit der Wissenschaft“ nicht in der Autonomie der Wissenschaft gegenüber der Gesellschaft bestehen kann, sondern daß Wissenschaft nur frei sein kann, wenn sie sich selbst als notwendiges Moment der gesellschaftlichen Praxis begreift. Die Freiheit der Wissenschaften ist aber nicht nur von konservativen Wissenschaftlern in Frage gestellt; auch von marxistischer Seite wird die Wertfreiheit der Wissenschaften heftig angegriffen.

Konrad Lotter widmet seinen Beitrag dem Zusammenhang von Parteilichkeit und Wissenschaft. Er verbindet den Begriff Parteilichkeit mit dem der wissenschaftlichen Objektivität und grenzt ihn dadurch von der bürgerlichen Wertfreiheit einerseits und von einer bloß subjektiv-moralischen Parteinahme fürs Proletariat andererseits ab.

Paul Bayer kritisiert die Konsequenzen einer Wissenschaftskonzeption, die den Bezug auf die Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse, obwohl selbst in diesen Prozeß integriert, explizit ausschließt.

Ausgehend von der Notwendigkeit, den ideologischen Gehalt der „“Freiheit-der-Wissenschaft-Debatte““ zu kritisieren und grundzulegen, ver-sucht Ralph Marks, die ideologische Beziehung der Grundwertediskussion zur „“Freiheit-der-Wissenschaft-Debatte““ darzustellen, und als „“Abbild““ der sozioökonomischen Antagonismen der warenproduzierenden Gesellschaft zu kritisieren und deren Emanzipationsmöglichkeiten aufzuweisen.

Um zu dokumentieren, daß die Frage nach der Wissenschaftsfreiheit sich nicht nur theoretisch stellt, sondern auch unmittelbar politische Konsequenzen besitzt, veröffentlichen wir – leicht gekürzt – einen Artikel des marxistischen Soziologen Horst Holzer zum Thema „“Wissenschaftsfreiheit und Berufsverbot““, in dem er aufgrund eigener Erfahrungen die bundesdeutsche „“Wissenschaftsfreiheit““ demonstriert.

Die Redaktion