Heft 8: Hilfe zur Selbsthilfe im Konservatismus

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4. Jahrgang, 1984, 160 Seiten, broschiert

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Konservative Denkmuster sind nicht erst seit dem Regierungswechsel zu einer prägenden Kraft unseres „geistig-kulturellen““ Lebens geworden. Die „Wende“ zum Bewahren und zur Besinnung auf Traditionen erscheint der gegenwärtigen Situation angemessener als die Orientierung am Neuen und Zukünftigen.

Mit diesem Wertewandel hat auch der Konservatismus seinen Einfluß erweitern können. Das Bemerkenswerteste ist, daß er heute weit weniger den lebensphilosophischen Pessimismus ausstrahlt, wie er etwa von Nietzsche, Spengler oder auch Heidegger formuliert worden ist. Daß er aber auch mit einer gewissen Skepsis gegenüber dem Technokratentum eines Carl Schmitt, Arnold Gehlen oder Helmut Schelsky versehen ist. Die Renaissance des Konservatismus spiegelt sich heute vielmehr in der Rückkehr zu einem „„Naturrecht““ wider, das seine geistigen Wurzeln zweifellos bei Thomas von Aquin und der Soziallehre des Katholizismus findet. Der heutige Konservative glaubt weder an nichts noch an das „“Gestell““ oder die „„Technik““, sondern an die zeitlos-ewige „„Natur““ des Menschen.

Die „„Hilfe zur Selbsthilfe““, in der sich das Prinzip der katholischen Soziallehre von der Subsidiarität niedergeschlagen hat, ist zum gesell-schaftspolitischen Programm der Konservativen und fast schon zum Allheilmittel für sämtliche Systemschwachen geworden. Wie hängt das Prinzip der Subsidiaritat mit konservativen Ordnungsvorstellungen zusammen? Läßt sich das Konzept der Alternativbewegung von der Selbst- und der Nachbarschaftshilfe überhaupt mit den Wert- und Normvorstellungen des Katholizismus verbinden? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt dieses Heftes.

Den Anfang macht ein ausführliches Gespräch mit Walter Kerber zum Thema „„Subsidiarität – Naturrecht – Demokratie““. Es legt die sozialphilosophische und die aktuelle Bedeutung des Subsidiaritätsprinzips von seiten der katholischen Kirche dar.

Ihm schließt sich der Artikel „„Subsidiarität – neokonservative Herausforderung des Humanismus““ von Alexander v. Pechmann und Martin Schraven an, der auf die philosophisch-anthropologische Unvereinbarkeit des „Naturrechts“ mit den Grundlagen des Humanismus eingeht.

Peter Poth skizziert in seinem Beitrag „“Politische Theologie – Absage von der Soziallehre““ die drei wesentlichen Strömungen im Katholizis-mus: die „“Neuscholastik““, die „„politische Theologie““ und die lateinamerikanische „„Theologie der Befreiung““.

Einen kritischen Überblick über die „„katholische Naturrechtslehre und das Subsidiaritätsprinzip““ gibt Ralph Marks und weist insbesondere auf die theologischen Implikationen hin.

Das Ergebnis einer Umfrage unter Politikwissenschaftlern zur Aktualität der Subsidiarität ist der Beitrag von Walter Euchner „„Subsidiarität als politisches Konstruktionsprinzip““ sowie das Statement von Iring Fetscher zu diesem Thema.

Robert Heß weist in seinem Aufsatz „“Subsidiarität. Die letzte Humanressource des Sozialstaates““ auf die Gefahr hin, dass der Grundsatz der „“Hilfe zur Selbsthilfe““ heute dazu mißbraucht wird, den gezielten Sozialabbau durchzuführen, um so die „Krise des Sozialstaats“ zu beheben.

Der erste Teil des Heftes wird mit einer Reihe von Rezensionen zu den Themen des Konservatismus und der Subsidiarität und zur Diskussion um den aktuellen Staatsabbau beendet.

Im zweiten Teil wird die Themenstellung des letzten WIDERSPRUCH 1/84 „“Abschied von der Arbeit?““ wieder aufgegriffen.

Peter Koslowski bringt eine Erwiderung zu den Ausführungen Manon Maren-Grisebachs zur „“Arbeitsgesellschafft““. – Der Beitrag „„Massenarbeitslosigkeit und Zukunft der Arbeit““ von Wolfgang Bonß, Heiner Keupp und Elmar Koenen stellt, unter sozialpsychologischem Aspekt, die Rolle von Arbeit und Arbeitslosigkeit für die psychische und soziale Identität des Individuums dar.

Im letzten Abschnitt veröffentlichen wir Teil II der Umfrage „„Warum Philosophie studieren? Zur Situation der Philosophie-Hauptfachstudenten““, die der WIDERSPRUCH zu Beginn des WS 1983/84 am philosophischen Fachbereich durchgeführt hat, und in dessen Mittelpunkt die Bedeutung und der Nutzen von Philosophie für den Studenten steht.

Die Nummer wird mit Berichten von Tagungen und Diskussionsveran-staltungen abgeschlossen.

Die Redaktion